Erste Hilfe im Notfall

Im Notfall gilt:

  • In sämtlichen Notfallsituationen muss immer zunächst auf verletzte oder gefährdete Menschen geachtet werden.
     
  • Ruhe und Übersicht bewahren!
     
  • Motto: „Mit Verstand statt Blauspray“, Wunden oder Verletzungen, die eine tierärztliche Behandlung benötigen, sollten vorher nicht mit farbigen Sprays oder Salben behandelt werden. Dies erschwert nur die Diagnose!
     
  • Panische Pferde verhalten sich nicht „normal“: mit heftigen und unkontrollierten Abwehrbewegungen rechnen!
     
  • Evtl. Zwangsmaßnahmen ergreifen (Nasenbremse, Bein aufheben …). In schwierigen Fällen auf den Tierarzt warten, um die eigene Gesundheit nicht zu gefährden.
Kolik
Eine Kolik ist keine Krankheit, sondern ein Symptom für Bauchschmerzen. Diese äußern sich in Fressunlust, leichter Apathie, allgemeiner Unruhe, zum Bauch umdrehen, gegen den Bauch schlagen, ruhiges Liegen, Schwitzen, Wälzen, mit den Zähnen knirschen usw. Die häufigsten Ursachen sind: schlechte Qualität des Futters bzw. eine falsche Fütterungstechnik, Aufnahme von giftigen Pflanzen oder kaltem Wasser bei Erhitzung, Verwurmung, Wetterwechsel. Jede Kolik ist grundsätzlich gefährlich und kann je nach Ursache lebensbedrohlich werden.
 
- Schnellstens den Tierarzt rufen und wenn möglich Werte von Puls, Atmung und Temperatur durchgeben (wenn möglich Darm-Öl eingeben).
 
- Nur führen, wenn das Pferd willig folgt und nicht stark schwitzt.

- Tobende Pferde in gut eingestreute, verletzungssichere Box oder Halle bringen.
 
- Auch bei Besserung Futteraufnahme vorübergehend verhindern (auch darauf achten, dass kein Stroh aus der Einstreu aufgenommen wird)
 
- Bis zum Eintreffen des Tierarztes entspannende Massage von Bauch, Ohrgrund und Zahnfleisch (Tellington-Touch)
Schlundverstopfung
Schlundverstopfung ist meist die Folge von hastigem Fressen. Getrocknete Zuckerrübenschnitzel, Fallobst und Brot sind häufige Verursacher. Speichel und Futterpartikel treten aus den Nüstern aus, Husten und Würgebewegungen, gestreckte Halshaltung, erhöhte Atemfrequenz und Schwitzen (Panik, Erstickungsanfall) sind die Symptome.

- Tierarzt sofort informieren.
 
- Keine weitere Futteraufnahme, kein Wasser!
 
- Bis zum Eintreffen des Tierarztes den Kopf des Pferdes möglichst tief halten, damit der Speichel frei nach unten abfließen kann und nicht in die Luftröhre gelangt.
 
- Jeglichen Stress vermeiden und versuchen, das Pferd zu beruhigen.
 
- Wenn die Verstopfung an der linken Halsseite fühlbar ist, kann versuchsweise und mit größter Vorsicht eine Massage in Richtung Kopf erfolgen.
Hitzschlag
An sehr heißen Tagen. Anzeichen sind erhöhte Körpertemperatur, trockene Haut, stark erhöhte Herz- und Atemfrequenz, stark erweiterte Hautgefäße, Kollaps bis zum Koma.

- Tierarzt holen
 
- keine Aufregung, mit warmem Wasser in kleinen Mengen tränken (2–3 l alle 5–10 Min.); Gras füttern
 
- Gliedmaßen mit Wasserschlauch kühlen, vorsichtig von unten beginnen.
 
- Falls das Pferd sich legt: liegen lassen und kaltes Wasser über das Pferd gießen, Luft zufächeln.
Dehydration
Schwere Arbeit führt zu einem Schweißverlust von 10–12 Litern und einem Mineralstoffverlust von 40–50 g pro Stunde. Dadurch kann es zur eingeschränkten Durchblutung der inneren Organe kommen. Dies führt zu einem Volumenmangelschock.

Anzeichen sind eine erhöhte Herzfrequenz auch nach Belastung, KFZ (Kapilläre Füllungszeit) ist erhöht, Hautelastizität verzögert (gezogene Hautfalte bleibt stehen), flache Atmung mit erhöhter Frequenz, Apathie, blasse Schleimhäute.
 
- Bei schweren Fällen Tierarzt holen.

- Sofortmaßnahme: mit warmem Wasser in kleinen Mengen tränken (2–3 l alle 5–10 Min.); Gras füttern.
Wundstarrkrampf (Tetanus)
Verursacher ist ein Bakterium, dessen Sporen in der Erde über Jahre lebensfähig bleiben können. Gelangen Keime in eine offene Wunde, dann vermehren sich diese und produzieren ein Gift, das entlang der Nervenbahnen zum Hirn wandert. Symptome treten erst bis zu drei Wochen nach der Verletzung auf. Kleine Schürfwunden genügen als Eintrittspforte für die Bakterien. Anzeichen sind Appetitlosigkeit, Apathie, Schreckhaftigkeit, sägebockartige Stellung, Krämpfe und Steifheit im Gang.
 
- Tierarzt holen.

- Pferd beruhigen, jede Aufregung löst eine Welle von Zuckungen aus.

- Pferd in eine dunkle Box bringen und Geräusche auf ein Minimum reduzieren.

- Vorbeugung durch Schutzimpfung ist möglich und sinnvoll!
Fieber
Pferd frisst nicht, bewegungsunwillig, lässt den Kopf hängen. Fieber ist selten lebensbedrohlich.
 
- Temperatur messen, auf Husten oder Nasenausfluss achten.
 
- Tierarzt informieren.
Hufrehe
Hufrehe kann verschiedene Ursachen haben. So gibt es die Fütterungs-, die Belastungs- und die toxische (Geburts-) Rehe.
 
Symptome sind Bewegungsunlust, ständig wechselnde Entlastung der Gliedmaßen, vorsichtiges Auffußen, warmer Huf, schneller und heftiger Puls der Mittelfußarterie. Charakteristisch ist die vorder- bzw. unterständige Gliedmaßenstellung; es scheint, als lehne sich das Pferd zurück, um den Vorderteil der Hufe nicht zu belasten.
 
- Bis der Tierarzt eintrifft soll das Pferd nicht bewegt werden.

- Fütterung umstellen (mit Tierarzt absprechen), auf weiche Einstreu achten, die nicht gefressen wird.

- Legt sich das Pferd hin sollte es nicht aufgetrieben werden. Durch das Liegen wird der Aufhängeapparat des Hufbeins entlastet und so das Risiko der Hufbeinverlagerung vermindert.

- Hufverband anlegen und zur Schmerzlinderung in kurzen Abständen mit kaltem Wasser angießen.
Kreuzverschlag (Lumbago)
Typisch ist das Auftreten nach oder während der Arbeit, vor allem nach Stehtagen bei gleich bleibender Futterration. Anzeichen sind übermäßiges Schwitzen, schnelle Atmung, steife Bewegung der Hinterhand; in schweren Fällen kann sich das Pferd nicht mehr bewegen, verhärteter Rücken und Kruppenmuskulatur. Oft verändert der Urin seine Farbe; er kann von bernsteinfarben bis dunkelbraun variieren.

- Arbeit sofort einstellen, keinen unnötigen Schritt mehr führen und Tierarzt benachrichtigen

- Pferd in Stall transportieren, falls nötig im Hänger

- Rücken- und Kruppenmuskulatur durch Decken warmhalten: Wärme entspannt, dämpft dadurch den Schmerz und steigert die Durchblutung der Muskulatur; so können Stoffwechselgifte schneller abtransportiert werden.
 
- Kleine Mengen Wasser verabreichen
 
- Vorbeugung: artgerechte und der Leistung angepasste Fütterung (Gabe von Vitamin E/Selen)
Nageltritt
Immer ein Fall für den Tierarzt!
 
- Nagel/Draht/Fremdkörper nicht entfernen. Stichrichtung und Eindringtiefe sind für den Tierarzt wichtige Hinweise auf das Ausmaß der inneren Schädigung.
 
- Ragt der Nagel über den Tragrand des Hufes hervor, sodass er bei jedem Schritt tiefer eindringt, kneift man ihn mit einer Zange entsprechend ab.

- Nur wenn nicht anders möglich, wird der Fremdkörper entfernt: Eindringtiefe und Stichrichtung merken, den Fremdkörper aufheben.

- Tetanusschutz kontrollieren!
Lahmheit und Brüche
Schon im Schritt ist eine Lahmheit erkennbar; das Pferd schont auch im Stand das erkrankte Bein. Dies ist immer ein Fall für den Tierarzt!
 
- Huf untersuchen! Evtl. ist ein Stein oder anderer Fremdkörper der Auslöser.

- Bei Sehnenverletzung ist unmittelbar für Kältezufuhr zu sorgen, um eine Schwellung zu reduzieren (Eispackung, kaltes Wasser).

- Bei Brüchen ist es wichtig, den Bruch so gut wie möglich ruhig zu stellen, bis der Tierarzt eintrifft. Jede Bewegung des Pferdes sollte verhindert werden. Wirken Sie beruhigend auf das Pferd ein.
Wunden
Nur eindeutig oberflächliche Schürfwunden mit desinfizierenden und abdeckenden Sprays behandeln (Dr. Schaette’s Wundbalsam, Aluspray). Ist die Haut mehr als 2 cm durchtrennt, die Wunde in Fesselbeuge oder Gelenknähe, sollte der Tierarzt geholt werden. Auch kleine Wunden sind oft gefährlich, da sie häufig auch tiefere Strukturen betreffen, vor allem im Bereich Unter- und Oberschenkel/-arm.
 
1. Blutung stoppen
Sterile Kompresse auflegen und Druckverband anlegen.
Die Gliedmaßen nicht abbinden, da große Schmerzen und teilweise bedeutende Schäden am Gewebe entstehen.
 
2. Wunde vor weiterer Schädigung schützen
Reinigung mit klarem, über die Wunde rinnendem Wasser – anschließend Desinfektion (z. B. Dr. Schaette’s Wundbalsam). Keine farbigen Desinfektionssprays benutzen und keine Salben oder Puder auftragen! Die Übersicht im Wundgebiet geht dadurch verloren, die Naht wird erschwert und die Wundheilung behindert. Sterile Kompresse auflegen und Polsterverband anlegen. Größere Fremdkörper nicht entfernen, da Blutungen entstehen können, Reste in der Wunde verbleiben können und Tiefe und Richtung der Verletzung für den Tierarzt nicht mehr ersichtlich sind. Falls nötig, ist es besser, den Fremdkörper abzusägen.
 
3. Weitere Symptome beachten
Allgemeinbefinden des Pferdes beobachten (Schock? Starke Schmerzen?)
Starke Lahmheit, Lähmung, offensichtlichen Bruch beachten
 
4. Tetanus Schutz kontrollieren
Augenprobleme
Ist das Auge geschlossen, geschwollen, tränt, gerötet, lichtempfindlich oder reibt sich das Tier andauernd, kann dies verschiedene Ursachen haben. Es ist immer der Tierarzt zu benachrichtigen. Sekundär können durch das Reiben Hornhautverletzungen entstehen!
Akute Atemnot
z. B. Allergisches Asthma, Insektenstich, Hufschlag auf die Luftröhre, eingeatmeter Fremdkörper.
Anzeichen sind eine gestreckte Kopf- und Halshaltung, stark geblähte Nüstern, angestrengte Atmung, Atemgeräusche beim Ein- und Ausatmen; ein
angsterfüllter, panischer Gesichtsausdruck.

Vorsicht: Pferde mit Atemnot geraten oft in Panik! Bis der Tierarzt eintrifft soll alles vermieden werden, was das Pferd zusätzlich aufregt und somit den Sauerstoffverbrauch erhöht.
 
- Keine unnötige Bewegung
 
- Im Sommer ist auf einen schattigen Platz zu achten; bei hohen Temperaturen ist kaltes Wasser hilfreich, aber nur an den Beinen und nach langsamer, stressfreier Gewöhnung.
 
- Luftröhrenschnitt nur im absoluten Notfall! Dieser ist nur vom Tierarzt durchzuführen.

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