Was ist Hufrehe?
Hufrehe ist eine entzündliche Krankheit der Huflederhaut. Dabei kann es dazu kommen, dass sich die Hufkapsel löst. Im Extremfall kann es zum Ausschuhen kommen.
Wie entsteht Hufrehe?
Für die Entstehung von Hufrehe gibt es eine Vielzahl an Gründen. Am häufigsten hängt ein Hufreheschub mit einem aus den Fugen geratenen Insulinspiegel zusammen. Ein zu hoher Insulinspiegel im Blut (Hyperinsulinämie) führt zu hormonell bedingten Hufrehe.
Ursachen für einen zu hohen Insulinspiegel:
- Übergewicht
- Insulindysregulation und/oder Insulinresistenz
- Equines Cushing Syndrom (PPID)
Weitere nicht stoffwechselbedingte Auslöser für Hufrehe sind:
- Endotoxiämie z.B. durch einmalige Überfütterung mit leicht fermentierbaren Kohlenhydrate
- Schwere Koliken oder Nachgeburtsverhalten
- Starke Überdosierung von Selen
- Nebenwirkung von systemisch verabreichten Glukokortikoiden ("Cortison")
- Überlastungsrehe an einzelnen Beinen bei chronischen, starken Lahmheiten der gegenüber liegenden Gliedmaße
- Belastungsrehe bei immenser Überlastung der Hufe auf harten Böden oder sehr weiten Strecken (selten)
Was mache ich bei Hufrehen?
Bei Verdacht auf Hufrehe handelt es sich immer um einen medizinischen Notfall und es sollte sofort ein Tierarzt gerufen werden! Bei Hufrehe spielen die ersten 48-72 Stunden in der Behandlung eine wichtige Rolle. Kann man in dieser Zeit die Entzündung in den Griff bekommen, lassen sich die Schäden am Hufbeinträger am besten eindämmen.
Das Pferd sollte so weich wie möglich aufgestallt werden, beispielsweise mit dicken Spänen, Sand oder Torf, damit die Hufe entlastet werden, indem das Pferd sie in dem Streu "eingraben" kann. In der Herde darf das Pferd nicht bleiben, es muss sich ungestört hinlegen können, die anderen Pferde sollten aber in Sichtkontakt sein damit es nicht unruhig wird. Außerdem sollten die Hufe durchgängig gekühlt werden. Dazu geeignet sind z.B. Crushed Eis oder gefrorene Erbsen, die in Einmalhandschuhe oder Gefrierbeutel gefüllt werden. Diese kommen dann mit einer Lage Stoff zwischen Huf und Kühlmaterial um den Kronsaum der Hufe.
Der Tierarzt stellt Hufrehe durch Untersuchungen wie das Fühlen der Pulsation und Abdrücken der Hufsohle fest. Außerdem werden während des Schubs Röntgenbilder angefertigt, damit man Vergleichsaufnahmen für die Röntgenbilder nach Abklingen des Schubes hat, so kann man Veränderungen von Position und Form des Hufbeins durch den Reheschub abschätzen.
Wie ist die Therapie von Hufrehe?
Damit Hufrehe nicht chronisch wird und das Pferd wieder belastbar wird, ist es sehr wichtig sich konsequent an den Therapieplan des Tierarztes zu halten.
Der Tierarzt wird dem Pferd Medikamente geben und es muss über mindestens 2-3 Tage gekühlt werden sowie weich aufgestallt. Gegeben falls wird ein Hufschutz angebracht, der einer Rotation des Hufbeins in der Hornkapsel entgegenwirken soll.
Wenn die Entzündung abgeklungen ist, entscheidet der Tierarzt in Absprache mit dem Hufschmied darüber, welchen Hufschutz das Pferd in der Heilungsphase benötigt. Bis die Hornkapsel sich einmal erneuert hat, vergehen je nach Pferd bis zu 12 Monate, in der Zeit darf es zu keinen weiteren Entzündungen kommen.
Was soll ich bei Hufrehe füttern?
Akute Hufrehe:
- Nur abgewogenes Heu, ergänzt durch Stroh. Ggf. sollte das Heu gewaschen werden, um den Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydrate zu reduzieren.
- Dicke Pferde müssen abnehmen
- Damit vor allem Körperfett verloren geht und wenig Muskulatur, sollten je nach Nährstoffgehalt im Heu Aminosäuren z.B. über ein angereichertes Mineralfutter ergänzt werden
- Weidegang, Kraftfutter und Leckerlis sind absolut tabu
Vorsorgend:
- Futter mit einem hohen Anteil an leicht verdaulichen Kohlehydraten z.B. Stärke sollte gemieden werden
- Auch normalgewichtige Pferdekönnen von einer Insulinresistenz betroffen sein, weshalb Insulinspitzen vermieden werden sollten
- Benötigt ein betroffenes Pferd Kraftfutter, kann man z.B. kohlenhydratarmes, getreidefreies Kraftfutter und Öl als alternative Energieträger nutzen.
- Weidegang sollte immer mit viel Vorsicht erfolgen. Der Insulinspiegel kann plötzlich sehr hoch werden, wenn das Pferd viel fruktanreiches Gras auf einmal aufnimmt. Eine Begrenzung der Weidezeit hat oft fast keinen Effekt auf die Futteraufnahme. Daher sollte man mit Fressbremsen oder portionsweiden arbeiten, wenn Pferde zum Dickwerden neigen.